Das Jahr des Tigers

Anders als in der westlichen Welt, wo die Tierkreiszeichen monatlich wechseln und der Sonnenkalender mit dem 1. Januar beginnt, steht im asiatischen Raum im 12-jährigen Turnus jeweils ein Tier im Mittelpunkt.  Der chinesische Kalender basiert auf den zwölf Mondphasen und beginnt Ende Januar bis Anfang Februar, und zwar mit dem 2. Neumond nach der Wintersonnenwende. Er folgt einem 60-Jahre Zyklus.

Das Jahr des Büffels wird nun vom Jahr des Tigers abgelöst. Wird ein Mensch in diesem Jahr geboren, so ordnet man ihm bestimmte Charaktereigenschaften zu. Er soll zum einen misstrauisch, zum anderen aber auch tapfer und der geborene Anführer sein. Wegen seiner besonderen Charakterstärke wird er respektiert und geachtet. Er ist allerdings auch bestrebt, diese Bewunderung und  Anerkennung zu erhalten. Auf der anderen Seite gilt ein „Tigermensch“ nicht gerade als entscheidungsfreudig. Es dauert oft lange, bis er sich zu einer Maßnahme durchringen kann, oft handelt er auch vorschnell und überhastet.

Der Tiger ist die größte Raubkatze auf der ganzen Erde. Sein Lebensraum ist der Wald. Im Unterholz ist sein gestreiftes Fell eine perfekte Tarnung, um sich an seine Beute anzuschleichen. Außerdem liebt er kleinere Seen und Flüsse, in denen er gerne schwimmt.

Man findet den Tiger überwiegend in Indien, im vorderasiatischen Raum und Sumatra sowie im östlichen Sibirien. In andere Erdteile ist er – so wie der Löwe – nie vorgedrungen. Auch von der Gegend um das kaspische Meer, Vorder- und Zentralasien wusste man, dass dort Tiger lebten, doch hat man ihn hier seit den 1970er Jahren nicht mehr gesehen. Insgesamt hat sich seine Population erschreckend stark verringert. Große Waldgebiete wurden in den letzten Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Nutzung abgeholzt, wodurch sich ihr Einzugsgebiet so massiv reduzierte, dass die Tiger heute nur noch ungefähr 7% ihres ursprünglichen Lebensraumes zur Verfügung haben. Das hat für die Tiere schwerwiegende Konsequenzen: Der Kontakt zwischen den einzelnen Populationen, die nun nur noch inselartig verteilt leben, wird erschwert oder sogar ganz verhindert, womit auch die Fortpflanzung nicht mehr gesichert ist.

Eine weitere Gefahr für den Tiger stellt die Wilderei dar. Die Nachfrage nach Tigerprodukten für Heilbehandlungen in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist größer denn je und macht den Handel zu einem äußerst gewinnbringenden Geschäft.

Der Tiger ist ein Einzelgänger. Er markiert sein bis zu 50 Quadratkilometer großes Revier durch Urin und Kot. Seine sibirischen Verwandten leben sogar in einem bis zu 250 km² weiten Gebiet, abhängig von der Verfügbarkeit der Beute. Auch die Weibchen haben ein eigenes Territorium, dieses ist aber höchstens halb so groß wie das der Männchen. Haben sie Nachwuchs, in der Regel zwei bis drei Junge, werden sie besonders aggressiv, weil ein eindringendes Männchen die Kleinen töten könnte.

Zur Nahrungsaufnahme schleichen sich die nachtaktiven Tiere wie unsere Katzen an ihre Beute an.

Sie fressen meist große Huftiere wie Wildschweine, Ziegen, Schafe, Antilopen…usw., aber auch kleinere Säuger und Reptilien bis hin zu Krokodilen verschmähen sie nicht. Den Menschen gehen Tiger eher aus dem Weg, doch scheinen sich besonders im Gebiet des Gangesdelta manche Tiere auf den Menschen als Beute spezialisiert zu haben.

Wenn wir an den Tiger denken, haben wir von ihm das Bild einer großen, majestätischen Raubkatze. Dies trifft vor allem auf den Sibirischen und den Königstiger zu. Es gibt allerdings auch kleinere Arten, vor allem in Indonesien.

Das Fell kann sehr unterschiedliche Farbschattierungen haben, ist aber immer gestreift. Einzige Ausnahme ist der weiße Tiger. Der Pelz des Sibirischen Tigers ist wegen der Temperaturen wesentlich dicker und länger.

Angelika Würth

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