Tet-Fest in Aachen

Wenn jemand als Besucher zum DVF-Tet-Fest kam, ahnte man, dass hinter dem ganzen Geschehen viel Arbeit steckte. Höhen und Tiefen der Vorbereitung waren bestimmt genug Stoff für einen Roman. Besonders bei den Proben für die Auftritte im Bühnenprogramm.

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Die Kinder weigerten sich in Tränenausbrüchen, bei den Proben mit weißen Plastikbecher als Requisit zu tanzen, um die schönen Lotus-Lampen nicht zu deformieren. Oder die Ao-Dai Fashion Show. Da die meistens Mannequins nicht aus Aachen stammten, lief alles „virtuell“: die Musik für den Laufsteg, Anweisung für den Catwalk etc. Alles nur über E-Mails. Erst am späten Samstag Nachmittag konnten die Models ihre „High Heels“ auspacken.

Die DVF-Tanzgruppe hat sich selbstständig gemacht, im Jargon heißt es  „outsourcing“, d.h. die Mädels entschieden sich diesmal selbst wie die Choreographie auszusehen hatte, welches Kostüm in welcher Farbe, wo die Blüten auf dem Ao-Dai anzunähen waren. Nur die ganzen Unannehmlichkeiten mit den Zollbeamten überließen sie den Eltern, denn sowohl die Tanzkleider als auch die Fächer kamen als Paket direkt aus Vietnam.

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Das Eröffnungsstück sollte die Entstehungsgeschichte des vietnamesischen Volkes darstellen. Nach einer Legende sind wir die „Kinder des Drachen und Enkelkinder der Fee“, sowie die verschiedenen Tet-Fest-Bräuche aus dem Norden, Mitte und Süd Vietnams mit den verschiedenen Trachten, „Mai“-Blumen, Kirschblüten, langen und eckigen Neujahrskuchen, verschenken von Glückgeldern an die Kinder etc.

Die Hintergrundmusik für das Eröffnungsstück war eine Anekdote für sich. Bis zur letzten Probenstunde übten die Akteure im Trockenen, ähnlich wie bei den Stummfilmen von Charlie Chaplin, d.h. ohne Ton. Es funktionierte alles reibungslos, bis der fertige Schnitt für die Musik ins Spiel kam.

Erste Version:

–          Kannst Du bitte dem Tontechniker sagen, dass er die Szene mit den Feen ein wenig länger schneiden soll? Sonst haben die Zuschauer nicht genug Zeit, die Feen als solche zu identifizieren.

Die Feen mit verzogenem Gesicht:

–          Man kann so nicht tanzen, viel zu lang !!!

Zweite Version:

–          Drachentanz-Musik zu schwach, kannst Du bitte dem Tontechniker sagen, er möge etwas aussuchen, was trommelmäßig mehr drauf hat?

Dritte Version:

–          Der Neujahrssong passt nicht !!!

Alle Wege führen nach Rom. Jede Version ist schlechter als die … allererste Version. Ich werde dem Tontechniker sagen, dass Übung den Meister macht.

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Das waren nur einige von den vielen Klatschgeschichten „behind the scenes“. Was ich eigentlich betonen wollte, war das Unbeschreibbare, was von innen kam. Ohne die vielen unterstützenden Händen, klein wie die der 5-jährigen aus unser Sprachschule,  rau wie die der männlichen Helfer, zart wie die der Tänzerinnen, unsichtbar wie die, die die vielseitigen Spezialitäten am Essenstand hergezaubert haben, gäbe es kein Tet-Fest in Aachen.

Jeder hat einen anderen Traum,
dein Traum ist anders als meins,
aber zusammen,

können wir alle unsere Träume wahr werden lassen.

Mein Traum: Tet-Fest in Aachen.

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